Nach dem Ersten Weltkrieg : Lebensversuche moderner Demokratien

Tim B. Muller

Der Erste Weltkrieg war die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. In der Zeit danach entwickelte sich die moderne Demokratie: Das allgemeine Wahlrecht wurde eingefuhrt, der Wohlfahrtsstaat etabliert, die moderne Wissensgesellschaft geboren. Viele alte Demokratien wandelten sich erst jetzt vollends in Demokratien, neue Demokratien entstanden europaweit in rasendem Tempo. Auf unterschiedlichen sozialpolitischen Fundamenten wurde nun begonnen, den demokratischen Wohlfahrtsstaat zu schaffen. Diese Sicht verlangt Korrekturen am vorherrschenden Bild der Zwischenkriegszeit, das sich allzu oft auf Krisen und die Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges reduziert. Denn wahrend in manchen Staaten die Demokratie schon bald in die Defensive geriet und die modernste Demokratie jener Zeit, die Weimarer Republik, scheiterte, was im Zentrum Europas zur erneuten Katastrophe ungeheuren Ausma?es fuhrte, bauten Skandinavien, die USA oder Gro?britannien die soziale Demokratie weiter aus. Wer wissen will, warum moderne Demokratien scheitern konnen und was sie aber gleichzeitig in den gro?ten Krisen lebendig erhalt, muss in die Zwischenkriegszeit schauen in die Zeit, in der unsere heutige politische und soziale Welt geboren wurde.